Ein Gespenst geht um, nicht nur in den Chefetagen, wo der Begriff lange als „Managerkrankheit“ die Runde machte. Die Rede ist von “Burnout”, einem Begriff, den der amerikanische Psychologe Freudenberger 1974 zum ersten Mal im Gesundheitsbereich verwendete. Er verstand darunter eine starke, sowohl psychische als auch physische Erschöpfung, die die Leistungsfähigkeit auf ein Minimum reduzierte.
Das Burnout-Syndrom ist entgegen anderer Berichte im Internet nach wie vor nicht als eigenständige Krankheit anerkannt. Im ICD-10, dem maßgeblichen „Krankheiten-Katalog“ der Weltgesundheitsorganisation, ist Burnout unter „Einflussfaktoren, die den Gesundheitszustand beeinflussen“ aufgeführt. Dies ist deshalb bedeutungsvoll als die Krankenkassen diese sogenannten „Z-Diagnosen“ in der Regel nicht abrechnen. Die behandelnden Ärzte weichen daher meistens auf „F-Diagnosen“ (anerkannte Krankheiten im Leistungskatalog) wie „Depression“ aus, wenn sie für Ihre Diagnose von der Krankenkasse Geld sehen wollen.
Noch einmal: Burnout ein psychophysischer Erschöpfungszustand. Wichtig ist dabei, dass es sich eben nicht „nur“ um eine körperliche Überarbeitung, vielleicht noch kombiniert mit einem Schlafdefizit handelt. Der entscheidende Punkt ist die psychische Komponente. Deswegen reicht eine rein körperliche Erholung bei Betroffenen auch nicht aus, so wichtig sie im Akutfall zunächst auch ist.
Neben dieser inneren Leere („Emotional exhaustion“) ist als zweites Merkmal der Verlust eines Gefühls für den Sinn des Lebens im Allgemeinen und des Sinns der eigenen Arbeit im Speziellen bedeutsam. Sehr auffällig ist drittens auch ein zunehmender Zynismus der Betroffenen, als Zeichen einer nicht (mehr) vorhandenen Wertschätzung sich selbst und anderen gegenüber.
Markus Frey
PS Ein hervorragendes Selbsthilfe-Buch zur Überwindung des Burnout-Syndrom ist „Burnout-Prävention – Das 9-Stufen-Programm zur Selbsthilfe“ von Thomas M.H. Bergner. Weitere Informationen finden Sie unter folgendem Link: http://www.bit.ly/dr4WHW
Tags: Burnout; Burnout-Syndrom; Managerkrankheit, Erschöpfung
26. Februar 2010 um 1:21 pm |
Burnout ist ein Prozess, der in die Depression münden kann. Stufenprogramme und verhaltenstherapeutische Maßnahmen helfen vielen Menschen. Sehr oft sind jedoch auch Gespräche bei einem Tiefenpsychologen sinnvoll, denn so lässt sich verstehen, wo die individuellen Ursachen des Burnouts liegen. Auch Arbeitslose oder Menschen, die ihre Angehörigen pflegen, können unter Burnout leiden.
Dr. Dunja Voos
Fachärztin für Arbeitsmedizin, Meidzinjournalistin
http://www.medizin-im-text.de/blog/?p=259